Oberlausitz - wo Ostern zuhause ist

Ostern ist nur was für Hasen? Nicht in Sachsen! Die Oberlausitz zeigt wie keine andere Region mit ihren teils jahrhundertealten Traditionen, wie bunt und vielfältig die Tage von Karfreitag bis Ostermontag sein können. Der Brauch rund um das Bemalen von Eiern hat in Sachsen seinen Ursprung und wird hier, vor allem geprägt durch die sorbische Kultur, besonders zelebriert: Filigran verzierte Eier locken bereits einige Wochen vor Ostern Gäste in die Region, wo die fertigen Kunstwerke auf den sonst zahlreichen Ostermärkten gekauft werden können. Vielerorts besteht sogar die Möglichkeit, den sorbischen Handwerkskünstlerinnen in ihren Trachten beim Verzieren der österlichen Kostbarkeiten über die Schulter zu schauen. Nur in diesem Jahr ist alles anders. Unser Tipp: Probiert die traditionellen Maltechniken selbst zu Hause aus!

Sorbische Ostereier in Bautzen in der Oberlausitz

Wusstet Ihr,...

... dass die aufwendig verzierten und bemalten Ostereier nach dem Glauben der Sorben besondere Effekte für die beschenkten Personen haben? Sie gelten als Symbol der Fruchtbarkeit und des Auferstehens.

Sorbische Osterreiter bei Bautzen in der Oberlausitz

Hoch zu Ross mit froher Botschaft

Einen besonderen Höhepunkt in der Oberlausitz bildet in "normalen" Jahren das traditionelle Osterreiten am Ostersonntag - es ist der bekannteste Brauch der katholischen Sorben in der Oberlausitz. Nach gemeinsamen Gottesdiensten verkünden etwa 1600 Reiter die Botschaft um die Auferstehung Christi in deutscher und sorbischer Sprache. Die festlich gekleideten Reiter führen in ihrer Prozession Kirchenfahnen, das Kreuz und die Statue des Auferstandenen mit. Sorbische Kirchenlieder singend und traditionelle Gebete sprechend, verkünden die Osterreiter die Auferstehung Christi. Die erste urkundliche Erwähnung dieses Brauchs datiert aus dem Jahr 1490; zwischen Wittichenau und Ralbitz findet das Osterreiten seit 1540 ununterbrochen statt - 2020 wird eine Ausnahme. Diese traditionelle Art Ostern zu feiern, findet Ihr an keinem anderen Ort in Deutschland. Nicht verpassen im nächsten Jahr!

Stadtansicht von Bautzen in der Oberlausitz

Bautzen - wo die Eier rollen

Bautzen ist das Zentrum der nationalen Minderheit der Sorben und die Oster-Hauptstadt Sachsens. Zum traditionellen Eierschieben auf dem Bautzener Protschenberg geht es normalerweise am Ostersonntag rund - wenn nicht das Coronavirus wäre. Seit vier Jahrhunderten ist es ein Bautzener Osterbrauch: Dem Glauben nach werden die geschenkten Eier über Wiesen und Flure gerollt, um das Gedeihen und Wachsen der Pflanzen zu ermöglichen. Wem dies gelang, der durfte auch das getroffene Ei behalten. Anders als in vergangenen Zeiten rollen allerdings keine echten Eier, Süßigkeiten und Orangen mehr den steilen Hang zur Spree hinunter. Stattdessen werfen die Erwachsenen bunte Plastikbälle. Diese werden von den Kinder gefangen und können an einem Stand in Geschenke umgetauscht werden. Immer dabei, als Spielleiter: der Eierjokel, ein echtes Bautzener Original.